Kulturwirtschaftsminister
Der Bundeskulturstaatsminister Neumann hat vor, ein eigenes Fachreferat »Kulturwirtschaft« einzurichten, wie er am 12.9. in einer Rede vor dem Bundestag ankündigte (gefunden bei kulturwirtschaft.de).
Soll man sich angesichts dieser überall steigenden Bedeutung des Themas Kulturwirtschaft jetzt freuen? - Darüber, dass das Thema Kultur - zumindest in Verkopplung mit der Wirtschaft - endlich, endlich auch politisch mehr Anerkennung erfährt?
Nein. Mit dem Einzug der Kulturwirtschaft in die Kulturpolitik passiert etwas fatales: Kulturpolitik wird zur Wirtschaftspolitik umgewidmet. Kulturwirtschaft, das sind die Elemente und Aspekte von Kunst und Kultur, die ökonomisch (er-) fassbar sind. Klassisches Beispiel: die so genannten »Creative Industries« - von Filmwirtschaft über Verlagswesen und Medien bis zu Werbung und Design, demnächst wahrscheinlich auch Wohnkultur oder Shoppingkultur. Hier steht das Geschäft im Vordergrund, nicht die Kultur. Förderung der Kulturwirtschaft - ob verbal oder finanziell - ist Wirtschaftsförderung. Und die ist im Kulturressort falsch angesiedelt.
Live mitzuverfolgen ist hier die Neoliberalisierung der Künste. Gefördert wird, was finanziell messbare Erfolge hervorbringt oder zumindest erwarten lässt. Unter ständigem Wiederholen von Formeln wie: »mehr Eigenverantwortung« oder »Stärkung von bürgerschaftlichem Engagement« entzieht sich die Politik ihrer Verantwortung für die Künste und die Kulturförderung. Wer die Bedeutung von Stiftungen (= »bürgerschaftliches Engagement«) für die Kulturfinanzierung betont, verbirgt dabei (und damit) gerne den Rückgang des eigenen Engagements.
Folge dieses Prozesses ist - und wird in Zukunft verstärkt sein -, dass die wichtigsten Kernbereiche der Kultur weiter und weiter zurückgedrängt werden. Künste brauchen Freiräume für Wagnisse, Experimente und Entwicklung von Neuem. Aus ökonomischer oder neoliberaler Sicht scheinbar zweckfrei, ist dieser Freiraum der Künste in Wirklichkeit eine der wichtigsten Quellen auch und gerade für die Kulturwirtschaft: Es ist der Ort »kultureller Grundlagenforschung«.
