Deutschland - Niedriglohnland
Das Institut für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen meldet in seinem IAQ-Report 2008, dass der Anteil der Niedriglohnbezieher an allen abhängig Beschäftigten seit 1995 um 43% gestiegen ist. 67,5% der Niedriglöhner haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Rechnet man die Beschäftigten dieses Sektors mit einem akademischen Abschluss hinzu, haben drei von vier Niedriglöhnern einen Abschluss. Also die Legende vom kausalen Zusammenhang zwischen Ausbildung und beruflichem Erfolg gilt schon lange nicht mehr. Gerade die Geisteswissenschaftler in prekären Lebensverhältnissen wissen ein Lied davon zu singen.
Als Niedriglohn ist ein Einkommen definiert, das unter zwei Drittel des Durchschnittslohns liegt. Das sind im Westen brutto 9,61 Euro, in den Neuen Bundesländern 6,81 Euro (Stand 2006). Bundesweit arbeiten 22,6% Beschäftigte unterhalb dieser Schwelle. Durchschnittlich verdienen die Niedriglöhner aber tatsächlich noch erheblich weniger, nämlich brutto nur 6,89 Euro West und 4,86 Euro Ost. Jeder kann für sich selbst ausrechnen, wieviel sie oder er arbeiten muss, um von einem solchen Stundenlohn leben zu können.
Interessant ist, dass sich die politische Klasse in den wirtschaftsliberalen Parteien (SPD, CDU/CSU, FDP, Grüne) über immer weniger Wählerzustimmung wundert, sinkende Wahlbeteiligungen einbezogen. »Soziale Verantwortung« wird nun lediglich als Wahlkampfthema neu entdeckt. Dass die soziale Erosion fast die gesamte Gesellschaft zumindest als Bedrohung betrifft, ist offenbar zu weit von ihrer eigenen Lebensrealität entfernt. Lediglich die als Schmuddelpartei behandelte »Die Linke« folgt innerhalb des demokratischen Spektrums nicht dem Mainstream des Weiter-so. Ob ihre klassisch sozialdemokratischen Konzepte allerdings den Trend mehr als nur abfedern könnten, darf bezweifelt werden.
